Befreite Flüsse

 

Flüsse und Bäche durchweben als Lebensadern unsere Landschaft.

Sie dienen der Erhaltung der biologischen Vielfalt:

  • als mannigfaltiger Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt,
  • als eine sich stetig in Raum und Zeit verändernde Verzahnung von Land und Wasser,
  • als ein sensibles Wirkungsgefüge aus belebter und unbelebter Umwelt und
  • als ein Verbund zwischen den Populationen von Tieren und Pflanzen.

Sie bilden eine Lebensgrundlage für den Menschen:

  • als nicht ersetzbarer Quell für sauberes Wasser,
  • als Regulator für ein ansprechendes Klima,
  • als Raum für Erholung und Entspannung und nicht zuletzt
  • als Voraussetzung für zahlreiche wirtschaftliche Tätigkeiten.

Der Mensch greift ein
Der Mensch hat seit Jahrtausenden die Landschaft nach seinen Vorstellungen geprägt. Lange Zeit blieben dabei die Flüsse und Auen unangetastet, zu mächtig waren die Naturgewalten, zu schwach die menschlichen Kräfte.
Erst im ausgehenden Mittelalter wagte er sich allmählich ins Reich der Flüsse, die Bevölkerung nahm stark zu und man war auf mehr Kulturland angewiesen. Mit lokalen Uferverbauungen versuchte er sich vor Überflutungen zu schützen.
In den letzten 200 Jahren wurden dann unsere Flüsse nach rein technischen Kriterien verbaut. Die Verbauung und Kanalisierung der Flüsse und die Entwässerung der Auen und Einzugsgebiete hatten verheerende Folgen. Die wasserbedeckte Fläche in der Landschaft nahm extrem ab. Einst vielarmige Flüsse mit einer großen Strömungsvielfalt verkamen zu eintönigen, schnell fließenden Abflussrinnen. Zahlreichen Querbauwerke unterbrachen die jahrtausendalten Verbindungswege.

 

Vielerorts verlegte man Bäche im Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet kurzerhand in Röhren.
Der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen zerstörte die Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzenwelt und verwandelte die Flüsse und Bäche in reine Abwasserkanäle.

Dieses Handeln führte und führt zu einem ökologischen und ökonomischen Desaster:

  • Die Lebensräume der Flüsse und Auen wurden weitgehend zerstört
  • Die ursprüngliche biologische Vielfalt sank unaufhörlich, die überwiegende Zahl der Arten ist ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet
  • Die Auenflächen schrumpften auf 10% ihrer ehemaligen Ausdehnung
  • Das Wasser muss aufwendig zur Verwendung als Trinkwasser aufbereitet werden
  • Die Hochwasserereignisse führen in immer kürzeren Zeitabständen zu Schäden an Mensch und Gut
  • Die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Fließgewässer nimmt stetig ab
  • Der Klimawandel wird die Schädigung des Naturhaushaltes der Flüsse und ihrer Auen potenzieren.
 
 
 

Umkehr im Denken und Handeln ist unabdingbar, notwendig ist die Wiederbelebung der Flüsse und deren Auen:
„Befreite Flüsse“ jetzt und flächendeckend

„Befreite Flüsse“ führen zur

  • Erhöhung des Naturreichtums
    Natürliche Flusslandschaften gehören zu den artenreichsten Lebensräumen, daher gelten auch deren Auen als die Regenwälder Europas.  Dieser natürliche Reichtum ist stark gefährdet und kann auch durch das Zulassen der natürlichen Fließgewässer-Dynamik  wieder hergestellt werden.
  • Verbesserung des Hochwasserschutzes
    Naturnahe Flüsse mit weiträumigen und intakten Auen sind der beste Hochwasserschutz. Das kurzzeitig aufkommende Niederschlags- und Schmelzwasser wird in den Auen aufgenommen und nur langsam abgegeben, zudem bremsen Auenwälder die Fließgeschwindigkeit und das Hochwasserereignis wird für die Flussunterlieger vermindert.
  • Erhöhung der Lebensqualität
    Naturnahe Flusslandschaften sind oftmals wahre Oasen in den ausgeräumten Fluren und damit wertvolle Naherholungsgebiete. Wandern und Rad fahren, Wasser beim Baden hautnah erleben, Pflanzen- und Tierwelt beobachten, Sinne anregen und genießen. Menschen finden hier Entspannung und können Kräfte sammeln.
  • Sicherung der Lebensgrundlagen heute und in Zukunft
    Naturnahe Fließgewässer können durch ihre Strukturvielfalt und natürliche Dynamik besser Schadstoffe abbauen und sich auf diese Weise selbst reinigen. Sauberes Trinkwasser ist einer der wertvollsten Rohstoffe der Welt und wird auf Grund des Klimawandels künftig noch an Bedeutung gewinnen. Als Kaltluftentstehungsgebiete können wiedervernässte Auen zur Minderung von Klimaextremen beitragen.
  • Verringerung der Gewässerunterhaltungskosten
    Die Errichtung von technische Anlagen für Gewässerausbau sind kostspielig und verursachen ständig Unterhaltungskosten. Flüsse, die wieder mehr Raum erhalten und auf natürliche Weise ihr Flussbett gestalten können, sind „pflegeleicht“ und damit kostensparend.
 

„Befreite Flüsse“ bedeuten eine lebenswerte Mitwelt für alle

Ziele der Initiative „Befreite Flüsse“

„Befreite Flüsse“ ist eine offene Internetplattform für alle, die sich um die Wiederbelebung unserer Flüsse und Bäche bemühen.
Zum einen sollen Informationen über das natürliche Gefüge, die Schönheit, aber auch die Gefährdung und Zerbrechlichkeit dieser Lebensräume vermittelt werden.
Zum anderen sollen Anregungen zu Projekten gegeben werden, die es jeden möglich machen, sich aktiv bei der Gestaltung von lebendigen Flüssen einzubringen. 

Die Darstellung von Licht und Schatten bei Aktivitäten an Fließgewässern soll dazu dienen, Erfahrungen zu sammeln und eigenes Handeln zu überdenken.

„Befreite Flüsse“ ist ein Aufruf an alle, die Lebensadern unserer Landschaften wieder mit Leben zu erfüllen.

nach oben